Gedenkstättenfahrt von DGB-Jugend MEO und VVN-BdA zum ehemaligen KZ Neuengamme

Unter dem Motto „Nie wieder vergessen“ fuhr am 14./15. Oktober 2017 eine Gruppe junger und alter Menschen gemeinsam nach Hamburg, um sich über das KZ Neuengamme zu informieren. Organisiert wurde die Fahrt von der DGB-Jugend MEO (Mülheim Essen Oberhausen) und der VVN-BdA Essen.

Das KZ Neuengamme ist gezielt errichtet worden, um billige Arbeitskräfte für die geplanten NS-Großbauten zur Verfügung zu haben. Waren die ersten Konzentrationslager in Nazi-Deutschland seit 1933 zur Inhaftierung und Folterung politischer Gegner der Nazis eingerichtet worden, kamen im Laufe der Jahre weitere Verfolgtengruppen hinzu: Juden, Sinti, Homosexuelle, Zeugen Jehovas sowie sogenannte „Kriminelle“ und „Asoziale“. Ab 1936/37 wurde die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge zu einem wirtschaftlichen Faktor für den Betrieb der KZs. Hierzu wurde die „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ mit Mitgliedern der SS-Führung als Gesellschafter gegründet.

Anlass für die Gründung des Konzentrationslagers Neuengamme war die Ziegelproduktion für die geplanten Nazi-Großbauten in Hamburg. Dazu zählten ein 250 Meter hohes „Gauhochhaus“, ein „Kraft-durch-Freude-Hotel“ und eine Hochbrücke über die Elbe als „Tor zur Welt“. Das Konzentrationslager wurde 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen in einer stillgelegten Ziegelei gegründet und 1940 zum „selbständigen“ Konzentrationslager mit zahlreichen Außenlagern in Norddeutschland während des Krieges.

Die ersten KZ-Häftlinge stammten aus Deutschland, während des Krieges kamen Männer und Frauen aus den besetzten Gebieten Europas hinzu und bildeten nach kurzer Zeit die Mehrheit. Mehr als die Hälfte von Ihnen kam aus Osteuropa, aber auch aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Dänemark wurden Tausende Menschen in das KZ und seinen mehr als 85 Außenlagern verschleppt. Zwischen 1938 und 1945 waren über 100.000 Menschen im System des Konzentrationslagers Neuengamme eingesperrt, etwa die Hälfte von ihnen wurde durch die mörderischen Arbeits- und „Lebensbedingungen“ ermordet.

Vernichtung durch Arbeit

Zehn bis zwölf Stunden Schwerstarbeit mussten die KZ-Häftlinge täglich in den unterschiedlichen Arbeitskommandos leisten. Neben dem Aufbau des Klinkerwerks gehörte die Arbeit in den Tongruben, die Schiffbarmachung der Dove Elbe und das Anlegen eines Stichkanals zu den furchtbarsten Einsätzen. Aufgrund der ungenügenden Ernährung und Bekleidung sowie der Arbeit im Freien bei jedem Wetter betrug die durchschnittliche Überlebensdauer in den Tongruben 90 Tage. Im weiteren Verlauf des Krieges kamen Arbeiten in der Rüstungsproduktion und in der Trümmerbeseitigung, vor allem in den Außenlagern, hinzu.

Sterben gehörte im KZ zum Alltag, KZ-Häftlinge starben an Hunger, Entkräftung, den mörderischen Arbeitsbedingungen und an gezielten Mordaktionen der SS-Männer. Zum Kriegsende 1945 gelang es der SS zunächst, die Spuren ihrer Verbrechen in Neuengamme zu verwischen und das Lager zu räumen. Tausende Häftlinge starben hilflos in Lagern wie Sandbostel oder Bergen-Belsen, 9.000 starben bei einem britischen Luftangriff auf die schwimmenden KZs in der Lübecker Bucht, die für Truppentransporter gehalten wurden. Am 2. Mai 1945 erreichten britische Truppen das geräumte KZ Neuengamme.

Vom Knast zur Gedenkstätte

Bronzefigur „Sterbender Häftling“ aus dem Jahre 1965 der
französischen Bildhauerin Francoise Salmon, Überlebende des
KZ Auschwitz. DGB-Jugend und VVN-BdA legten vor der Stele
des internationalen Mahnmals gemeinsam ein Gesteck nieder
und gedachten der Ermordeten.

1948 wurde das Lagergelände Neuengamme der Stadt Hamburg übergeben, die einen Teil der Gebäude abriss und mit der „Vollzugsanstalt Vierlande“ ein Gefängnis einrichtete, dem in den 1960er Jahren eine Jugendstrafanstalt folgte. Diese Nutzung hier wie an anderen Orten des Nazi-Terrors zeigt, dass diese Orte oft in einer „Kontinuität der Ausgrenzung“ (Thomas Lutz 1995) standen und stehen. Auf Drängen der Überlebenden wurde 1953 eine erste, schlichte Gedenksäule, ohne Inschrift errichtet. 1965wurde in Neuengamme das internationale Mahnmal mit einer 27 Meter hohen Stele aus grauen Quadersteinen, einer Gedenkmauer, vor der 18 Steinplatten mit Namen der Völker und Nationen liegen, und der Bronzeskulptur „Sterbender Häftling“ der französischen Bildhauerin Francoise Salmon, Überlebende des KZ Auschwitz, errichtet. Eine Ausstellung, die den Ort erklärt, wurde erst 1981 (!) mit dem „Dokumentenhaus“ eröffnet. 1995 folgte eine neue Dauerausstellung auf größerer Fläche. Erst 2005/06 wurde nach Schließung und Verlegung beider Gefängnisse fast der gesamte Bereich des ehemaligen Konzentrationslagers zur Gedenkstätte.

KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Neben der Hauptausstellung in einer ehemaligen Häftlingsunterkunft gibt es vier weitere Dauerausstellungen, unter anderem zur Lager-SS, zur Zwangsarbeit im Klinkerwerk aber auch zum Widerspruch von Gefängnis und Gedenkstätte. Während der etwa dreistündigen Führung erhielt unsere Gruppe einen Eindruck vom Leben, Arbeiten und Sterben unter den unerträglichen Bedingungen des Konzentrationslagers sowie von den Einsätzen für verschiedene Betriebe in den Außenlagern, die vom Einsatz billiger Häftlinge profitierten. DGB-Jugend und VVN-BdA legten an der Stele des internationalen Mahnmals gemeinsam ein Gesteck nieder und gedachten der Ermordeten.

Aus der Geschichte lernen

Gedenkstättenfahrten wie diese sind anstrengend, führen sie doch zu den Schattenseiten der Geschichte, die viele verleugnen wollen. Natürlich trifft die heutige Generation keine Schuld an den Verbrechen, doch angesichts einer zunehmenden Rechtsentwicklung in anderen europäischen Ländern und auch in Deutschland ist es wichtig, aus der Geschichte zu lernen, dass und warum sie sich nicht wiederholen darf. In einer Zeit, in der im Umfeld von AfD, Pegida & Co. in übelster Weise rassistische Vorurteile über geflüchtete Menschen verbreitet werden und in einer Zeit in der Politiker die Einrichtung von Lagern befürworten (die sie natürlich mit besser klingenden Begriffen bezeichnen) sowie Flüchtlinge nach ihrer Nützlichkeit sortieren wollen, heißt es wachsam zu sein gegenüber den Anfängen einer Politik, die zu aus der Geschichte bekannten Ergebnissen führen kann. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen Nationen und Völkern, sondern zwischen Faschisten und Antifaschisten.

Knut Maßmann

(Gekürzter Text. Die komplette Fassung finden Sie hier >> zum ausführlichen Bericht)

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Was will die AfD wirklich?
Ausstellung der VVN jetzt auch online

Am 1. Mai zeigte die VVN Mülheim die Ausstellung „Der Arm der Bewegung– die Alternative für Deutschland“ bei der Kundgebung auf dem Rathausmarkt. Der Grundgedanke der Ausstellung besteht darin, die AfD nicht als isoliertes Phänomen, sondern in ihrem Beziehungsgeflecht darzustellen und zu kritisieren.

Mit ihrer Ausstellung will die VVN-BdA Kreisvereinigung Mülheim an der Ruhr zeigen, was die AfD wirklich ist und was sie wirklich will. Es soll niemand sagen können, er habe nicht gewusst, in welchem Beziehungsgeflecht sich die AfD bewegt und worin ihre konkreten Ziele bestehen.

Die Ausstellung als PDF können Sie sich >> hier ansehen.

Foto: Winfried Rothermel

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