Begleitbroschüre zur Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Mülheim an der Ruhr 1933-1945“ wird neu aufgelegt

Seit Jahren unterstützt die VVN-BdA Mülheim mit ihrer Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Mülheim an der Ruhr 1933 bis 1945“ die Mülheimer Schulen mit Materialien und Informationen zum Unterrichtsthema Faschismus. Dazu gehört auch die Begleitbroschüre zur Ausstellung. Diese ist mittlerweile so gut wie vergriffen.

Außer in den Mülheimer Schulen war und ist die Ausstellung auch an anderen Orten unserer Stadt zu sehen, so in den Stadtteilbibliotheken, der Evangelischen Ladenkirche oder in der Mülheimer Polizeiinspektion. Begleitend zur Ausstellung wird die gleichnamige Broschüre kostenlos zur Verfügung gestellt. Dieses Angebot wird sehr gerne angenommen und hat dazu geführt, dass die aktuelle Auflage so gut wie vergriffen ist. Damit wir die Broschüre weiterhin zur Verfügung stellen können, ist eine Neuauflage erforderlich. Wir sind gegenwärtig dabei, die dritte Auflage für den Druck vorzubereiten.

Eines unserer Hauptanliegen bei der Arbeit mit der Ausstellung und der Begleitbroschüre ist, insbesondere den Schülerinnen und Schülern an den Mülheimer Schulen den Begriff Faschismus mit all seinen schrecklichen Konsequenzen begreifbar zu machen. Dies halten wir vor allem bei der jetzt zunehmenden Radikalisierung nach rechts für dringend geboten.

Da uns nur ein bescheidener Finanzrahmen zur Verfügung steht, sind wir für den Neudruck der Broschüre auf Spenden angewiesen. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, kann dies gerne mit seiner Spende tun. Spenden an die VVN-BdA sind beim Finanzamt steuerlich absetzbar. Unsere Kontoverbindung finden Sie --> hier.


 

Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Mülheim an der Ruhr 1933-1945“ bei der Mülheimer Polizei

Am 9. November eröffnete Polizeipräsident Frank Richter anlässlich des 80. Jahrestags des Novemberpogroms in Müheim im ehemaligen Polizeipräsidim an der Von-Bock-Straße die Ausstellung der VVN-BdA „Widerstand und Verfolgung in Mülheim an der Ruhr – 1933 bis 1945“. Bis zum 21. Dezember hatten Beamte und Bürger die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen.

„Unsere Geschichte macht immer auch einen Teil unserer Gegenwart aus. Gerne bieten wir der Ausstellung hier Raum. So haben Beamte und Bürger die Möglichkeit, sich zu dem Thema zu informieren“, erklärte Frank Richter zur Eröffnung. Auch die Leiterin der Polizeiinspektion und „Hausherrin“, Polizeioberrätin Claudia Kretschmann-Schepanski, nahm an der Eröffnung teil und drückte ihre Hoffnung aus, dass ihre Kolleginnen und Kollegen die Chance nutzen würden, sich über dieses dunkle Kapitel der Mülheimer Vergangenheit zu informieren.

Einen besonderen Aspekt und konkreten Bezug zur Geschichte der Polizei während des Nationalsozialismus erhielt die Ausstellung durch den Verweis und Zitate aus dem Buch „Himmlers grüne Helfer“. Mit dem inzwischen verstorbenen Autor und Journalisten Heiner Lichtenstein war der jetzige Polizeipräsident und damalige Vorsitzenden der Gewerkscft der Polizei Landesbezirk NRW, Frank Richter, vor Jahren in Kontakt gekommen; aus dieser Begegnung entstand die Idee zu diesem Buch, das dann von der GdP NRW herausgegeben wurde.

»Hätten vor allem Polizeioffiziere sich geweigert zu morden, hätte das Folgen für ganze Polizeieinheiten haben können. Ungezählte Menschen wären dann vielleicht mit dem Leben davongekommen. Die Geschichte der Schutz- und Ordnungspolizei sähe heute anders aus.« Aus Heiner Lichtenstein: »Himmlers grüne Helfer« herausgegeben von der Gewerkschaft der Polizei Landesbezirk NRW

 

Im Bild oben: Polizeipräsident Frank Richter (Mitte rechts), Polizeioberrätin Claudia Kretschmann-Schepanski, Leiterin der Polizeiinspektion Mülheim an der Ruhr (Mitte links), Inge Ketzer, stellvertretende Vorsitzende VVN-BdA Mülheim an der Ruhr (r.), Karl-Heinz Zonbergs, VVN-BdA (l.)


 

30 Millarden für die Rüstung? Nein! Abrüsten statt aufrüsten

Bisher haben über 20.000 friedliebende Menschen den Aufruf unterschrieben. Fehlt Ihre Unterschrift noch? Unter https://abruesten.jetzt/ können Sie sich weiter informieren und die Petition mit Ihrer Unterschrift unterstützen.

Die Bundesregierung plant, die Rüstungsausgaben nahezu zu verdoppeln, auf zwei Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP). So wurde es in der NATO vereinbart. Zwei Prozent, das sind mindestens weitere 30 Milliarden Euro, die im zivilen Bereich fehlen, bei Schulen und Kitas, sozialem Wohnungsbau, Krankenhäusern, öffentlichem Nahverkehr, Kommunaler Infrastruktur, Alterssicherung, ökologischem Umbau, Klimagerechtigkeit und internationaler Hilfe zur Selbsthilfe.

Auch sicherheitspolitisch bringt eine Debatte nichts, die zusätzlich Unsummen für die militärische Aufrüstung fordert. Stattdessen brauchen wir mehr Mittel für Konfliktprävention als Hauptziel der Außen- und Entwicklungspolitik.

Militär löst keine Probleme. Eine andere Politik muss her. Damit wollen wir anfangen: Militärische Aufrüstung stoppen, Spannungen abbauen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen, Perspektiven für Entwicklung und soziale Sicherheit schaffen, Entspannungspolitik auch mit Russland, verhandeln und abrüsten. Diese Einsichten werden wir überall in unserer Gesellschaft verbreiten. Damit wollen wir helfen, einen neuen Kalten Krieg abzuwenden.

Keine Erhöhung der Rüstungsausgaben – Abrüsten ist das Gebot der Stunde.

>> nach oben


Was will die AfD wirklich?
Ausstellung der VVN „Der Arm der Bewegung– die Alternative für Deutschland“

Mit ihrer Ausstellung will die VVN-BdA Kreisvereinigung Mülheim an der Ruhr zeigen, was die AfD wirklich ist und was sie wirklich will. Der Grundgedanke der Ausstellung besteht darin, die AfD nicht als isoliertes Phänomen, sondern in ihrem Beziehungsgeflecht darzustellen und zu kritisieren. Es soll niemand sagen können, er habe nicht gewusst, in welchem Dunstkreis sich die AfD bewegt und worin ihre konkreten Ziele bestehen.

Die Ausstellung als PDF können Sie sich >> hier ansehen.

Foto: Winfried Rothermel

>> nach oben


 

Wir unterstützen den Erhalt der VHS an ihrem gegenwärtigen Standort

Solidaritätsadresse der VVN-BdA Mülheim an die Bürgerinitiative „Erhalt unserer VHS in der MüGa“

Liebe Mitglieder der Bürgerinitiative,

die Kreisvereinigung Mülheim an der Ruhr der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten sagt Ihnen Dank für Ihr großes Engagement und Ihren entschlossenen Einsatz zum Erhalt der Volkshochschule in der MüGa.

Im Rahmen der politischen Bildung konnten wir an der damals knapp zehn Jahre im Gebäude an der Bergstraße bestehenden VHS mit Kursteilnehmern und Dozenten die Grundlagenarbeit zur Erstellung der Dokumentation „1933 bis 1945 – Widerstand und Verfolgung in Mülheim an der Ruhr“ durchführen. Aus diesem Buch entstand die heute in vielen Schulen Mülheims präsentierte Mülheim 1933-1945 zum gleichen Thema.

Über mehrere längere Zeiträume hinweg war die VVN-Mülheim 1933-1945 als Dauerausstellung in der VHS beheimatet. Nicht zuletzt aufgrund der einzigartigen architektonischen Gestaltung der VHS als Begegnungsraum wurde es so Besuchern und Kursteilnehmers ermöglicht, sich über die faschistische Diktatur in unserer Stadt und deren Folgen von Fremdfeindlichkeit, Rassenhass und Krieg zu informieren.

Damals wie heute bietet unsere VHS in ihrem bestehenden Kulturensemble nicht nur viele Möglichkeiten sozialer, kultureller und beruflicher Fortbildung, sondern – mindestens ebenso wichtig – einen Raum für Kommunikation und Begegnung zwischen Menschen, Generationen und Kulturen. Wo Verstehen und Verständnis füreinander wachsen kann, dort finden Ausgrenzung, Fremdenhass und rechtes Denken keine Resonanz. Auch deshalb ist es der VVN Mülheim an der Ruhr ein Anliegen, dass die VHS in ihrer gegenwärtigen Gestalt erhalten bleibt.

Wir danken Ihnen nochmals für Ihren Einsatz, den wir voll und ganz unterstützen.


Silvia Rölle
Kreisvorsitzende

>> nach oben

 

Gedenkstättenfahrt von DGB-Jugend MEO und VVN-BdA zum ehemaligen KZ Neuengamme

Unter dem Motto „Nie wieder vergessen“ fuhr am 14./15. Oktober 2017 eine Gruppe junger und alter Menschen gemeinsam nach Hamburg, um sich über das KZ Neuengamme zu informieren. Organisiert wurde die Fahrt von der DGB-Jugend MEO (Mülheim Essen Oberhausen) und der VVN-BdA Essen.

Das KZ Neuengamme ist gezielt errichtet worden, um billige Arbeitskräfte für die geplanten NS-Großbauten zur Verfügung zu haben. Waren die ersten Konzentrationslager in Nazi-Deutschland seit 1933 zur Inhaftierung und Folterung politischer Gegner der Nazis eingerichtet worden, kamen im Laufe der Jahre weitere Verfolgtengruppen hinzu: Juden, Sinti, Homosexuelle, Zeugen Jehovas sowie sogenannte „Kriminelle“ und „Asoziale“. Ab 1936/37 wurde die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge zu einem wirtschaftlichen Faktor für den Betrieb der KZs. Hierzu wurde die „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ mit Mitgliedern der SS-Führung als Gesellschafter gegründet.

Anlass für die Gründung des Konzentrationslagers Neuengamme war die Ziegelproduktion für die geplanten Nazi-Großbauten in Hamburg. Dazu zählten ein 250 Meter hohes „Gauhochhaus“, ein „Kraft-durch-Freude-Hotel“ und eine Hochbrücke über die Elbe als „Tor zur Welt“. Das Konzentrationslager wurde 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen in einer stillgelegten Ziegelei gegründet und 1940 zum „selbständigen“ Konzentrationslager mit zahlreichen Außenlagern in Norddeutschland während des Krieges.

Die ersten KZ-Häftlinge stammten aus Deutschland, während des Krieges kamen Männer und Frauen aus den besetzten Gebieten Europas hinzu und bildeten nach kurzer Zeit die Mehrheit. Mehr als die Hälfte von Ihnen kam aus Osteuropa, aber auch aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Dänemark wurden Tausende Menschen in das KZ und seinen mehr als 85 Außenlagern verschleppt. Zwischen 1938 und 1945 waren über 100.000 Menschen im System des Konzentrationslagers Neuengamme eingesperrt, etwa die Hälfte von ihnen wurde durch die mörderischen Arbeits- und „Lebensbedingungen“ ermordet.

Vernichtung durch Arbeit

Zehn bis zwölf Stunden Schwerstarbeit mussten die KZ-Häftlinge täglich in den unterschiedlichen Arbeitskommandos leisten. Neben dem Aufbau des Klinkerwerks gehörte die Arbeit in den Tongruben, die Schiffbarmachung der Dove Elbe und das Anlegen eines Stichkanals zu den furchtbarsten Einsätzen. Aufgrund der ungenügenden Ernährung und Bekleidung sowie der Arbeit im Freien bei jedem Wetter betrug die durchschnittliche Überlebensdauer in den Tongruben 90 Tage. Im weiteren Verlauf des Krieges kamen Arbeiten in der Rüstungsproduktion und in der Trümmerbeseitigung, vor allem in den Außenlagern, hinzu.

Sterben gehörte im KZ zum Alltag, KZ-Häftlinge starben an Hunger, Entkräftung, den mörderischen Arbeitsbedingungen und an gezielten Mordaktionen der SS-Männer. Zum Kriegsende 1945 gelang es der SS zunächst, die Spuren ihrer Verbrechen in Neuengamme zu verwischen und das Lager zu räumen. Tausende Häftlinge starben hilflos in Lagern wie Sandbostel oder Bergen-Belsen, 9.000 starben bei einem britischen Luftangriff auf die schwimmenden KZs in der Lübecker Bucht, die für Truppentransporter gehalten wurden. Am 2. Mai 1945 erreichten britische Truppen das geräumte KZ Neuengamme.

Vom Knast zur Gedenkstätte

Bronzefigur „Sterbender Häftling“ aus dem Jahre 1965 der
französischen Bildhauerin Francoise Salmon, Überlebende des
KZ Auschwitz. DGB-Jugend und VVN-BdA legten vor der Stele
des internationalen Mahnmals gemeinsam ein Gesteck nieder
und gedachten der Ermordeten.

1948 wurde das Lagergelände Neuengamme der Stadt Hamburg übergeben, die einen Teil der Gebäude abriss und mit der „Vollzugsanstalt Vierlande“ ein Gefängnis einrichtete, dem in den 1960er Jahren eine Jugendstrafanstalt folgte. Diese Nutzung hier wie an anderen Orten des Nazi-Terrors zeigt, dass diese Orte oft in einer „Kontinuität der Ausgrenzung“ (Thomas Lutz 1995) standen und stehen. Auf Drängen der Überlebenden wurde 1953 eine erste, schlichte Gedenksäule, ohne Inschrift errichtet. 1965wurde in Neuengamme das internationale Mahnmal mit einer 27 Meter hohen Stele aus grauen Quadersteinen, einer Gedenkmauer, vor der 18 Steinplatten mit Namen der Völker und Nationen liegen, und der Bronzeskulptur „Sterbender Häftling“ der französischen Bildhauerin Francoise Salmon, Überlebende des KZ Auschwitz, errichtet. Eine Mülheim 1933-1945, die den Ort erklärt, wurde erst 1981 (!) mit dem „Dokumentenhaus“ eröffnet. 1995 folgte eine neue Dauerausstellung auf größerer Fläche. Erst 2005/06 wurde nach Schließung und Verlegung beider Gefängnisse fast der gesamte Bereich des ehemaligen Konzentrationslagers zur Gedenkstätte.

KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Neben der Hauptausstellung in einer ehemaligen Häftlingsunterkunft gibt es vier weitere Dauerausstellungen, unter anderem zur Lager-SS, zur Zwangsarbeit im Klinkerwerk aber auch zum Widerspruch von Gefängnis und Gedenkstätte. Während der etwa dreistündigen Führung erhielt unsere Gruppe einen Eindruck vom Leben, Arbeiten und Sterben unter den unerträglichen Bedingungen des Konzentrationslagers sowie von den Einsätzen für verschiedene Betriebe in den Außenlagern, die vom Einsatz billiger Häftlinge profitierten. DGB-Jugend und VVN-BdA legten an der Stele des internationalen Mahnmals gemeinsam ein Gesteck nieder und gedachten der Ermordeten.

Aus der Geschichte lernen

Gedenkstättenfahrten wie diese sind anstrengend, führen sie doch zu den Schattenseiten der Geschichte, die viele verleugnen wollen. Natürlich trifft die heutige Generation keine Schuld an den Verbrechen, doch angesichts einer zunehmenden Rechtsentwicklung in anderen europäischen Ländern und auch in Deutschland ist es wichtig, aus der Geschichte zu lernen, dass und warum sie sich nicht wiederholen darf. In einer Zeit, in der im Umfeld von AfD, Pegida & Co. in übelster Weise rassistische Vorurteile über geflüchtete Menschen verbreitet werden und in einer Zeit in der Politiker die Einrichtung von Lagern befürworten (die sie natürlich mit besser klingenden Begriffen bezeichnen) sowie Flüchtlinge nach ihrer Nützlichkeit sortieren wollen, heißt es wachsam zu sein gegenüber den Anfängen einer Politik, die zu aus der Geschichte bekannten Ergebnissen führen kann. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen Nationen und Völkern, sondern zwischen Faschisten und Antifaschisten.

Knut Maßmann

(Gekürzter Text. Die komplette Fassung finden Sie hier >> zum ausführlichen Bericht)

>> nach oben